Herne. [sn] Die BSW-Ratsgruppe fordert eine regelmäßige öffentliche Debatte über Armut und soziale Teilhabe. In ihrer Mitteilung vom 28.10.2026 kritisiert sie, dass ihr Antrag auf einen jährlichen Sozialbericht nach eigener Darstellung im Rat am 13.10.2026 abgelehnt wurde. Norbert Arndt verbindet die Forderung mit konkreten Zielen gegen Kinder- und Altersarmut sowie für bezahlbares Wohnen.
Vorhandene Daten gemeinsam auswerten
Der Vorschlag sieht vor, vorhandene Fachberichte und kleinräumige Daten zusammenzuführen. Ein erster Bericht sollte im September 2027 vorliegen. Anschließend sollte jährlich öffentlich darüber gesprochen werden, welche Maßnahmen nötig sind und wie sich ihre Wirkung überprüfen lässt. Die Ratsgruppe möchte Verbände, Beiräte und Menschen mit eigener Armutserfahrung beteiligen. Auch Schuldnerberatung und soziale Beratungsangebote nennt sie als Handlungsfelder.
Eine Sozialberichterstattung beschreibt soziale Lebenslagen und Entwicklungen. Sie kann eine Grundlage für Planung und die Bewertung politischer Maßnahmen liefern. Ob der konkret vorgeschlagene Bericht eingeführt wird, ist damit noch nicht entschieden.
Mindestsicherung: Zahlen für 2024
Für 2024 führt die BSW-Mitteilung 26.126 Menschen in Herne an, die Mindestsicherungsleistungen bezogen. Die angegebene Quote liegt bei 16,8 Prozent gegenüber 11,1 Prozent im Landesdurchschnitt. Bei den unter 18-Jährigen nennt sie 27,0 Prozent für Herne und 17,3 Prozent für Nordrhein-Westfalen. Die Differenz beträgt 9,7 Prozentpunkte.
Auch die Auswertung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zur Mindestsicherung ordnet Herne für 2024 bei rund 17 Prozent ein. Für Grundsicherung im Alter nennt sie einen Anstieg von 4,5 Prozent im Jahr 2020 auf 6,1 Prozent im Jahr 2024. Die Zahlen beschreiben zurückliegende Berichtsjahre und sind keine aktuellen Fallzahlen für 2026.
Armutsrisiko und Leistungsbezug unterscheiden
Mindestsicherungsbezug und einkommensbezogene Armutsgefährdung sind unterschiedliche Kennzahlen. Der WDR-Bericht zum Sozialbericht Nordrhein-Westfalen nennt für 2024 eine Armutsgefährdungsquote von 17,8 Prozent im Land. Diese Quote lässt sich deshalb nicht unmittelbar mit der Herner Mindestsicherungsquote vergleichen.
Eine weiterführende Auseinandersetzung mit Begriffen und Messmethoden bietet Christoph Butterwegges Buch Armut. Weitere kommunalpolitische Berichte stehen in der Rubrik Politik. Die Bewertung des Ratsbeschlusses in der aktuellen Mitteilung ist die Position der BSW-Ratsgruppe.
Häufig gestellte Fragen
Was fordert die BSW-Ratsgruppe für Herne?
Sie fordert einen jährlich vorgelegten Sozialbericht, der vorhandene Daten bündelt und mit überprüfbaren Zielen gegen Armut verbunden wird.
Wann sollte der erste Bericht vorliegen?
Nach dem Vorschlag der Ratsgruppe sollte der erste Bericht im September 2027 vorliegen.
Auf welches Jahr beziehen sich die genannten Mindestsicherungsquoten?
Die von der Ratsgruppe angeführten Quoten von 16,8 Prozent für Herne und 11,1 Prozent für Nordrhein-Westfalen beziehen sich auf 2024.
Wie hoch war die Quote bei Minderjährigen?
Die BSW-Mitteilung nennt für 2024 in Herne 27,0 Prozent und für Nordrhein-Westfalen 17,3 Prozent. Das entspricht einer Differenz von 9,7 Prozentpunkten.
Wer sollte an der Diskussion mitwirken?
Die Ratsgruppe will unter anderem Verbände, Beiräte und Menschen mit eigener Armutserfahrung in eine öffentliche Diskussion einbeziehen.























