Altmark/Bochum/Gladbeck/Herne. [sn] Mitte Mai 2004 stand Wolf-Dietrich Sprenger in den Bochumer Kammerspielen als Feuerbach auf der Bühne. Tankred Dorst inszenierte sein eigenes Stück. Über den Abend berichteten die SONNTAGSNACHRICHTEN. Ein Vorsprechen ohne den erwarteten Regisseur
Feuerbach war in Dorsts Stück einst ein erfolgreicher Schauspieler. Nach sieben Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung erschien er zu einem Vorsprechen und hoffte auf eine Rückkehr ans Theater. Nach der damaligen Kritik suchte Sprengers Figur auf der dunklen Bühne zunächst nach Licht und nach dem Regisseur, mit dem sie verabredet war. Statt des erhofften Gegenübers traf sie auf Bühnenarbeiter, Requisiten und den damaligen Intendanten Matthias Hartmann.
Als das Licht anging, saß lediglich der Regieassistent am Pult. Den Regieassistenten spielte Alexander Maria Schmidt. Die Abwesenheit des Regisseurs setzte Feuerbach zu. Sein Ärger richtete sich gegen den Assistenten. Auch eine Frau mit Hund, gespielt von Martina Eitner-Acheampong, geriet nach der Schilderung des Kritikers in die Auseinandersetzung.
Der Ablauf des Vorsprechens verschob sich immer weiter. Die damalige Kritik beschrieb, wie Feuerbach seine Sicherheit zunächst durch große Gesten behauptete und dann zunehmend verlor. Das Spiel und die persönliche Krise der Figur überlagerten sich. Ein Monolog aus Goethes „Tasso“ gelang ihm am Ende nur noch erschöpft und abgehackt. Dorsts gedrucktes Stück „Ich, Feuerbach“ bildete die Vorlage für diesen Bühnenabend.
Ovationen nach rund 100 Minuten
Die damalige Kritik berichtete von Ovationen für Sprenger nach einer Aufführung von rund 100 Minuten. Sie verwies auf Improvisation und Routine in seinem Spiel sowie auf eine frühere Zusammenarbeit mit Dorst am Thalia-Theater in Hamburg. Der Beifall und die Einschätzung der Darstellung beziehen sich auf die Bochumer Premiere.
Die „Bochumer Neufassung“
Bei einer Pressevorbesprechung bezeichneten Dorst und Dramaturg Thomas Oberender die Inszenierung laut dem damaligen Bericht als „Bochumer Neufassung“. Die Kritik sah die Änderung im Wesentlichen in einer Szene des Regieassistenten: Sie verband Feuerbachs Vorsprechen mit einer Debatte über die Rolle dramatischer Texte im damaligen Theater. Der Assistent behandelte Stücke in dieser Szene als „Realitätsmaterial“ und stellte ihnen das Bild eines Menschen gegenüber, der auf der Bühne sitzt und Nudeln isst.
Die Bochumer Arbeit führte Dorst an ein Theater zurück, an dem er nach dem damaligen Rückblick schon in der Spielzeit 1972/73 mit „Kleiner Mann, was nun“ und „Eiszeit“ präsent gewesen war. Der Rückblick brachte diese frühen Arbeiten mit Peter Zadek in Verbindung. Die Idee zu „Ich, Feuerbach“ sei, so hieß es in dem damaligen Beitrag, während der Proben zu „Eiszeit“ entstanden. Das Stück selbst war 1986 am Münchner Residenztheater uraufgeführt worden.
Die Kammerspiele des Schauspielhauses Bochum sind der Ort des damaligen Abends.
Weitere Beiträge zu Bühnen und Aufführungen stehen in der Kulturrubrik der SN SONNTAGSNACHRICHTEN. Der archivierte Beitrag dokumentiert die Inszenierung und die Reaktion des Premierenpublikums.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es bei „Ich, Feuerbach“ in der Bochumer Inszenierung von 2004?
Tankred Dorst inszenierte im Mai 2004 sein Stück „Ich, Feuerbach“ an den Bochumer Kammerspielen. Wolf-Dietrich Sprenger spielte einen früher erfolgreichen Schauspieler, der nach sieben Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung bei einem Vorsprechen auf eine neue Chance hoffte. Ein damaliger Beitrag der SONNTAGSNACHRICHTEN beschreibt die Premiere. Er ist heute im Internet Archive lesbar.
Warum gerät Feuerbachs Vorsprechen in Bochum aus dem Gleichgewicht?
Feuerbach erwartet einen Regisseur, trifft bei seinem Vorsprechen aber zunächst nur auf einen Assistenten. Der damaligen Kritik zufolge richtet sich sein Ärger zunehmend gegen dieses Gegenüber. Sein Auftreten verändert sich: Die demonstrierte Sicherheit bröckelt, während Bühnenrolle und persönliche Krise ineinander übergehen. Die Kritik schildert diesen Verlauf als Teil der Handlung und der Bochumer Inszenierung von 2004.
Wer wirkte bei „Ich, Feuerbach“ 2004 in den Bochumer Kammerspielen mit?
Tankred Dorst inszenierte sein eigenes Stück, Wolf-Dietrich Sprenger übernahm die Rolle Feuerbach. Alexander Maria Schmidt spielte den Regieassistenten, Martina Eitner-Acheampong eine Frau mit Hund. Der damalige Bericht erwähnt auch den Intendanten Matthias Hartmann. Bei einer Pressevorbesprechung sprachen Dorst und Dramaturg Thomas Oberender von einer „Bochumer Neufassung“ des Stücks.
Wie reagierte das Publikum auf die Bochumer Premiere von „Ich, Feuerbach“?
Die damalige Theaterkritik der SONNTAGSNACHRICHTEN berichtete von Ovationen für Wolf-Dietrich Sprenger nach einer Aufführung von rund 100 Minuten. Sie hob Improvisation und Routine in seinem Spiel hervor. Diese Beobachtungen und Einschätzungen beziehen sich auf die Premiere Mitte Mai 2004. Aus dem historischen Text lässt sich keine Aussage über spätere Aufführungen oder deren Publikumsreaktionen ableiten.
Wo lässt sich der damalige Beitrag über „Ich, Feuerbach“ lesen?
Der ursprüngliche Beitrag der SONNTAGSNACHRICHTEN ist über eine gespeicherte Fassung im Internet Archive zugänglich. Der Wikipedia-Artikel zu Tankred Dorsts Stück führt diesen Text als Einzelnachweis für die Bochumer Inszenierung von 2004 auf. Der Archivtext dokumentiert die damalige Aufführung in den Kammerspielen, Sprengers Darstellung und die als „Bochumer Neufassung“ bezeichnete Bearbeitung.
























