Herne/Johor Bahru (MY). [sn] Forest City im malaysischen Bundesstaat Johor nahe Singapur gilt heute als eines der spektakulärsten Beispiele für gescheiterte Stadtutopien. Was als glänzendes Zukunftsprojekt begann, wird inzwischen weltweit als Forest City Malaysia Geisterstadt wahrgenommen. Wer sich einen ersten Überblick verschaffen will, stößt schnell auf Berichte wie Forest City in Malaysia – vom Prestigeprojekt zur Geisterstadt, die das Ausmaß des Scheiterns plastisch beschreiben. Geplant war eine Metropole für bis zu 700.000 Einwohner:innen auf vier künstlich aufgeschütteten Inseln, ausgestattet mit Luxuswohnungen, Schulen, Golfplätzen, Hotels und Büroquartieren. Die Realität sieht anders aus: Weite Teile der Hochhäuser stehen leer, Straßen wirken wie Kulissen einer aufgegebenen Filmstadt, und selbst grundlegende urbane Funktionen bleiben fragmentarisch.
Vom Milliardenprojekt zur Geisterstadt
Das Projekt wurde ab 2014 von einem Konsortium aus chinesischem Immobilienkapital und malaysischen Staatsunternehmen vorangetrieben. Offiziell firmiert die Entwicklung als Forest City, Johor, und ist in zahlreichen internationalen Datenbanken dokumentiert, etwa bei Forest City, Johor (Wikipedia). Die Idee folgte einem klassischen Muster globaler Megaprojekte: Investoren aus China sollten hier sichere Anlageobjekte erwerben, während Malaysia durch den Zustrom ausländischen Kapitals wirtschaftlich profitieren würde. In den Anfangsjahren funktionierte dieses Modell scheinbar. Reisebusse voller Kaufinteressent:innen aus China besuchten die Baustellen, Musterwohnungen wurden verkauft, und die Hochglanzbroschüren versprachen ein grünes, smartes und international vernetztes Leben.
Der Wendepunkt kam 2017, als die Volksrepublik China den Kapitalexport ihrer Bürger:innen massiv einschränkte. Gleichzeitig verschärfte die malaysische Regierung unter Premierminister Mahathir Mohamad die Visa- und Aufenthaltsregeln für ausländische Immobilienkäufer:innen. Damit brach das Geschäftsmodell von Forest City faktisch zusammen. Die meisten Wohnungen waren nicht für die lokale Bevölkerung erschwinglich, sondern auf wohlhabende Investor:innen zugeschnitten. Als diese wegblieben, standen ganze Wohnquartiere plötzlich ohne Nachfrage da. Die Pandemie ab 2020 beschleunigte diesen Prozess zusätzlich, weil internationale Reisen und Besichtigungen praktisch zum Erliegen kamen.
Wirtschaftliche, ökologische und politische Folgewirkungen
Heute leben in Forest City nur noch rund 20.000 Menschen, also weniger als drei Prozent der ursprünglich geplanten Bevölkerung. Dennoch versucht die malaysische Politik, das Areal nicht vollständig aufzugeben. Die Einrichtung der Johor-Singapur-Sonderwirtschaftszone soll neue Anreize schaffen, insbesondere für Finanzdienstleister:innen und internationale Unternehmen. In diesem Kontext berichteten internationale Wirtschaftsmedien über erste Ansiedlungen sogenannter Family Offices, etwa in dem Beitrag Family Offices in Forest City. Ziel ist es, vermögende Privatkund:innen und Unternehmensstrukturen anzuziehen, die von niedrigen Steuern und lockeren Regulierungen profitieren.
Doch selbst wenn diese Strategie aufgeht, bleiben die strukturellen Probleme bestehen. Die städtebauliche Anlage ist auf eine Massenbevölkerung ausgelegt, nicht auf einige tausend wohlhabende Bewohner:innen. Zudem ist Forest City ökologisch hoch umstritten. Für den Bau der künstlichen Inseln wurden großflächig Seegraswiesen im Südchinesischen Meer zerstört, was Brutstätten zahlreicher Fisch- und Meeresfruchtarten vernichtete. Umweltverbände sprechen deshalb von einem ökologischen Schaden, der durch spätere wirtschaftliche Nutzung kaum zu kompensieren ist.
Für Tourist:innen hat die Geisterstadt inzwischen eine eigene, düstere Faszination entwickelt. Leere Boulevards, verlassene Einkaufszentren und überdimensionierte Wohnblöcke ziehen Besucher:innen an, die urbane Lost Places erkunden möchten. In der Reiserubrik der SN SONNTAGSNACHRICHTEN finden sich dazu regelmäßig Einordnungen und Hintergründe, etwa unter Reise – SN SONNTAGSNACHRICHTEN. Gleichzeitig ist Forest City für viele Investor:innen ein Mahnmal dafür geworden, wie riskant globalisierte Immobilienmärkte sein können, wenn politische Rahmenbedingungen kippen und Kapitalströme abrupt versiegen.
Auch wirtschaftspolitisch bleibt das Projekt ein Lehrstück. Es zeigt, wie eng internationale Immobilienentwicklungen mit staatlicher Regulierung, geopolitischen Spannungen und Finanzmarktpolitik verflochten sind. Analysen zu diesen Zusammenhängen werden in der Wirtschaftsberichterstattung der SN SONNTAGSNACHRICHTEN aufgegriffen, etwa unter Wirtschaft – SN SONNTAGSNACHRICHTEN. Forest City ist damit nicht nur eine Geisterstadt aus Beton und Glas, sondern auch ein Symbol für die Grenzen neoliberaler Stadtutopien, in denen Marktlogik und politische Wirklichkeit unvereinbar aufeinanderprallen.
Eigentümerstruktur und Kaufmöglichkeiten
Parallel zu den politischen und wirtschaftlichen Rettungsversuchen ist die Eigentümer- und Betreiberstruktur von Forest City klar privatwirtschaftlich geprägt. Das Gesamtareal wird über das Joint Venture Country Garden Pacificview Sdn. Bhd. entwickelt, an dem der chinesische Konzern Country Garden die Mehrheit und die malaysische Esplanade Danga 88 – mit Beteiligung staatlicher Stellen des Bundesstaats Johor – rund 40 % hält. Die kommunale Verwaltung obliegt lokalen Behörden in Iskandar Puteri, das Eigentum an den Bau- und Nutzungsrechten liegt jedoch beim Projektträger. Damit ist Forest City rechtlich keine staatliche Stadt, sondern ein privat entwickeltes Immobilien- und Stadtentwicklungsprojekt, dessen Zukunft maßgeblich von der wirtschaftlichen Stabilität der beteiligten Gesellschaften abhängt.
Für Kaufinteressent:innen bedeutet das: Wohnungen und Appartements werden weiterhin angeboten, teils zu deutlich reduzierten Preisen gegenüber den Hochphasen des Projekts. Der Erwerb erfolgt entweder direkt über die offizielle Vermarktung von Forest City oder über lizenzierte Immobilienmakler:innen in Johor Bahru und Iskandar Malaysia. Ausländische Käufer:innen unterliegen den malaysischen Mindestpreis- und Genehmigungsregeln und benötigen für längere Aufenthalte ergänzende Programme wie Malaysia My Second Home. Rechtliche Begleitung durch eine auf malaysisches Immobilienrecht spezialisierte Kanzlei ist dabei unerlässlich, da Kauf, Grundbucheintragung und Aufenthaltsstatus getrennte Verfahren sind.
Anlaufstellen für Interessenten/Investoren/Kaufwillige
- Forest City Malaysia – Offizielle Projektseite
- Forest City Malaysia – Internationale Vermarktung
- Malaysia My Second Home (MM2H) – Offizielle Informationen
- PropertyGuru Malaysia – Immobilienportal
- PropertyGenie Malaysia – Marktanalysen und Angebote
- Business Times Singapore – Family Offices in Forest City
























