Altmark/Baden-Baden/Gladbeck/Herne. [sn] Auf der Bühne waren US5 ein Popphänomen. Hinter dem Erfolg der Boyband aus den 2000er-Jahren standen nach den Erinnerungen ihrer früheren Mitglieder aber auch Druck, Abhängigkeiten und Erfahrungen mit Übergriffen. Die für den 02.12.2026 angekündigte ARD-Kultur-Dokumentation „Lost Boys – Der Fall US5“ (Arbeitstitel) soll erstmals die Rückblicke aller fünf früheren Bandmitglieder zusammenführen. Der Südwestrundfunk kündigte den Film am 08.10.2026 an.
Jay Khan, Chris Watrin, Mykel Johnson, Richie Stringini und Izzy Gallegos berichten darin laut Sender von ihrer gemeinsamen Zeit als junge Popstars. Die Interviews werden durch private Aufnahmen ergänzt, die bislang nicht öffentlich gezeigt wurden. Im Zentrum stehen nicht allein die Karriere und die Erinnerungen an eine erfolgreiche Gruppe, sondern auch die Frage, welchen persönlichen Preis die Beteiligten nach ihrer eigenen Darstellung für den Ruhm zahlten.
US5 und der Aufstieg mit „Maria“
2005 gelang US5 mit „Maria“ der Durchbruch. Die aus mehreren Ländern stammende Boyband gewann schnell ein großes Publikum und tourte durch Europa und Asien. Der SWR spricht in seiner Ankündigung von 22 Wochen an der Spitze der Charts; diese Zeitangabe ist dort nicht näher auf ein bestimmtes Chartformat eingegrenzt. Die Bandgeschichte von US5 zeigt, wie eng die Karriere mit medialer Inszenierung, Fernsehformaten und dem internationalen Musikgeschäft verbunden war.
Der schnelle Erfolg machte die Sänger öffentlich bekannt. Was in jener Zeit hinter den Kulissen geschah, war dem Publikum nach der Darstellung des Senders jedoch nur zum Teil bekannt. Die neue Dokumentation will die damaligen Erlebnisse aus der Perspektive der Beteiligten schildern. Sie greift die Spannung zwischen der öffentlichen Darstellung einer erfolgreichen Boyband und den individuellen Erfahrungen der jungen Männer auf.
Jay Khan spricht über Lou Pearlman
Eine zentrale Rolle nimmt der US-amerikanische Musikmanager Lou Pearlman ein, der zuvor bereits die Karrieren der Backstreet Boys und von *NSYNC begleitet hatte. Nach der Presseankündigung berichtet Jay Khan in der Dokumentation von sexualisierter Gewalt, die Pearlman ihm angetan haben soll. Diese Schilderung ist als persönliche Aussage Khans wiederzugeben; sie darf nicht mit einer strafgerichtlichen Feststellung zu den behaupteten Übergriffen gleichgesetzt werden.
Gesichert ist nach den Angaben des SWR, dass Pearlman 2008 wegen Betrugs und Geldwäsche zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. Im Zusammenhang mit den hier angesprochenen körperlichen Übergriffen sei er dagegen nicht angeklagt worden. Pearlman starb 2016 während seiner Haft. Die Dokumentation verbindet diese biografischen Angaben mit den Erfahrungen und Schilderungen der ehemaligen Bandmitglieder.
Privates Videomaterial soll den Bandalltag zeigen
Für den Film stellte Izzy Gallegos nach Angaben des Senders umfangreiches privates Archivmaterial zur Verfügung. Es umfasst zahlreiche Stunden aus Hotellobbys, Backstage-Bereichen und persönlichen Situationen. Die Aufnahmen sollen zeigen, wie sich die Zeit in der Band abseits von Musikvideos, Konzerten und öffentlichen Auftritten gestaltete. Der SWR kündigt an, dass dabei auch belastende Momente zu sehen sein werden.
Zu den Themen der Interviews zählen psychischer Druck, sexualisierte Übergriffe, Suchtprobleme und Zwangsouting. Die Produktion behandelt die Folgen einer Jugend im Rampenlicht und die Frage, wie junge Menschen im Musikgeschäft abhängig werden konnten. Die Schilderungen werden als Erinnerungen der Betroffenen und als Inhalt der angekündigten Dokumentation wiedergegeben. Welche konkreten Einzelaussagen im Film darüber hinaus fallen, ist der vorliegenden Ankündigung nicht zu entnehmen.
Die Geschichte hinter dem Pop-Erfolg
Zur damaligen musikalischen Karriere gehört auch das 2005 veröffentlichte Debütalbum „Here We Go“. Wer die musikalische Entwicklung der Gruppe nachverfolgen möchte, findet das Album „Here We Go“ bei Amazon als Produktsuche. Die Veröffentlichung der Dokumentation richtet den Blick jedoch auf die persönlichen Erfahrungen der Sänger und auf Strukturen innerhalb der Musikindustrie.
ARD Kultur kündigt Veröffentlichung für Dezember an
Buch und Regie verantworten Julian Brimmers und Benjamin Westermann. Als Produzent:innen nennt der SWR Johanna Behre und Johannes Nichelmann von nb Studios. Die redaktionelle Federführung liegt beim SWR, beteiligt sind außerdem WDR, ARD Kultur und rbb. Nach Angaben der ARD Mediathek beziehungsweise der Senderankündigung soll der Film ab dem 02.12.2026 abrufbar sein. Der bislang genannte Titel trägt ausdrücklich den Zusatz Arbeitstitel.
Der Film ist damit zugleich ein Rückblick auf eine erfolgreiche Phase der Popmusik und eine angekündigte Auseinandersetzung mit Macht, Verantwortung und möglichen Formen der Ausbeutung in der Branche. Die Musikberichterstattung der SN SONNTAGSNACHRICHTEN begleitet auch solche Themen jenseits der Bühne. Welche neuen Einzelheiten die Dokumentation über die bisherigen öffentlichen Aussagen hinaus enthält, wird erst mit der Veröffentlichung zu beurteilen sein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Dokumentation „Lost Boys – Der Fall US5“?
Die Dokumentation von ARD Kultur zeichnet den Aufstieg der Boyband US5 in den 2000er-Jahren und die belastenden Erfahrungen hinter ihrem öffentlichen Erfolg nach. Alle fünf ehemaligen Mitglieder kommen nach Angaben des SWR erstmals gemeinsam zu Wort. Neben persönlichen Interviews verwendet die Produktion bislang unveröffentlichtes Privatmaterial von Izzy Gallegos und untersucht die Machtverhältnisse im Musikgeschäft.
Warum beschäftigt sich die US5-Doku mit Manager Lou Pearlman?
Lou Pearlman war eine zentrale Figur beim Aufbau der Boyband und arbeitete zuvor mit anderen internationalen Popgruppen. Der frühere US5-Sänger Jay Khan berichtet in der angekündigten Dokumentation nach Darstellung des SWR von sexualisierter Gewalt durch Pearlman. Dieser wurde 2008 wegen Betrugs und Geldwäsche zu 25 Jahren Haft verurteilt, jedoch wegen der geschilderten körperlichen Übergriffe nicht angeklagt. Er starb 2016 in Haft.
Welche früheren Mitglieder von US5 sind beteiligt?
An der Dokumentation beteiligen sich Jay Khan, Chris Watrin, Mykel Johnson, Richie Stringini und Izzy Gallegos. Der SWR kündigt erstmals gemeinsame persönliche Rückblicke aller fünf ehemaligen Bandmitglieder an. Izzy Gallegos stellt zudem bislang nicht veröffentlichtes privates Videomaterial zur Verfügung. Die Aufnahmen stammen unter anderem aus Hotels und Backstage-Bereichen und sollen Einblicke in den damaligen Alltag vermitteln.
Welche Erfahrungen und Folgen thematisiert „Lost Boys“?
Nach der Ankündigung des SWR sprechen die früheren Bandmitglieder über psychischen Druck, sexualisierte Übergriffe, Suchtprobleme und Zwangsouting. Die Dokumentation behandelt außerdem die Auswirkungen des frühen Ruhms auf ihre psychische Gesundheit. Diese Themen werden als persönliche Erfahrungsberichte und Gegenstand der filmischen Aufarbeitung beschrieben. Die Presseankündigung enthält keine eigenständige gerichtliche Feststellung sämtlicher geschilderter Vorwürfe.
Wann ist „Lost Boys – Der Fall US5“ in der ARD Mediathek zu sehen?
Nach Angaben des Südwestrundfunks soll die Dokumentation ab dem 02.12.2026 in der ARD Mediathek verfügbar sein. Der Titel „Lost Boys – Der Fall US5“ ist zum Zeitpunkt der Ankündigung noch als Arbeitstitel gekennzeichnet. Buch und Regie verantworten Julian Brimmers und Benjamin Westermann; die redaktionelle Federführung liegt beim SWR in Zusammenarbeit mit weiteren ARD-Partnern.
























