Herne. [sn] In Herne werden die medizinischen Jugenduntersuchungen nach wie vor deutlich zu wenig genutzt. Aktuellen Auswertungen der AOK NordWest zufolge nimmt lediglich etwa jeder vierte Teenager die entsprechenden Gesundheits-Checks für Jugendliche wahr. Konkret nutzten im vergangenen Jahr 24,6 Prozent der AOK-versicherten Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren die medizinischen Checks, die von der Krankenkasse für ihre Versicherten kostenfrei angeboten werden. Im Jahr zuvor lag der Wert noch bei 18,1 Prozent.
Jörg Kock, Serviceregionsleiter der AOK NordWest, bewertet diese Zahlen kritisch: „Das Niveau der Inanspruchnahme ist einfach zu gering. Dabei leisten Jugenduntersuchungen einen wichtigen Beitrag zur körperlichen und seelischen Gesundheit und sind genauso wichtig wie die Untersuchungen für Babys und Kleinkinder. Wir appellieren daher dringend an alle Eltern, ihre Kinder zu diesen wichtigen Vorsorgeuntersuchungen zu motivieren.“ Die Krankenkasse schreibt alle bei ihr versicherten Jugendlichen persönlich an und weist auf verschiedenen digitalen Kanälen auf das Angebot hin. Das Thema reiht sich ein in die allgemeine Debatte um die medizinische Prävention in Deutschland, wie sie auch im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Gesundheitsvorsorge diskutiert wird.
Von der J1 zur J2: Medizinische Schwerpunkte und Entwicklung
Die sogenannten Jugenduntersuchungen knüpfen an die bekannten U-Untersuchungen an, da die kindliche und jugendliche Entwicklung auch nach den ersten Lebensjahren keineswegs abgeschlossen ist. Die gesetzlichen Grundlagen und den systematischen Rahmen dieser Vorsorgemaßnahmen erläutert die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche. Die J1 für Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren gehört zum festen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Während im Jahr 2025 noch 41,6 Prozent der Jugendlichen zumindest diese Untersuchung in Anspruch nahmen, besuchten lediglich 9,4 Prozent die weiterführende J2. Letztere wird von der AOK als besondere Mehrleistung für Versicherte im Alter von 16 und 17 Jahren finanziert.
Medizinische Checks im Detail
Im Rahmen der J1 stehen neben der Kontrolle von Größe, Gewicht und Impfstatus auch Blut- und Harnuntersuchungen im Fokus. Ärztinnen und Ärzte überprüfen zudem die pubertären Entwicklungsstadien sowie den Zustand von Organen, Skelettsystem und Sinnesfunktionen. Fehlhaltungen durch Wachstumsschübe oder chronische Erkrankungen sollen so frühzeitig erkannt werden. Auch auf Hautprobleme, Essstörungen wie Magersucht oder Übergewicht sowie Allergien, die für die Berufswahl relevant sein können, wird geachtet. Die J2 zielt darüber hinaus auf das Erkennen von Pubertäts- und Sexualitätsstörungen sowie von Haltungsstörungen und Diabetes-Risiken ab.
Vertrauliche Gespräche ohne Eltern
Beide Vorsorgeuntersuchungen bieten neben dem rein körperlichen Check auch die Gelegenheit für ein ausführliches vertrauliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. In dieser Lebensphase geht es nicht nur um die biologische Entwicklung, sondern ebenso um geistige und soziale Kompetenzen sowie um eine gesundheitsfördernde Lebensführung. Für viele Heranwachsende ist dieses Gespräch eine Premiere, da bis zu diesem Zeitpunkt üblicherweise die Eltern bei den Arztterminen anwesend sind. Zu den Jugenduntersuchungen dürfen die Jugendlichen jedoch eigenständig und ohne Begleitung der Erziehungsberechtigten erscheinen.
Für Eltern, die sich intensiver mit den psychologischen und körperlichen Herausforderungen dieser Lebensphase auseinandersetzen möchten, bietet sich ergänzende Literatur an wie das Buch Pubertät: Loslassen und Haltgeben, welches Eltern beim Loslassen und Begleiten ihrer heranwachsenden Kinder unterstützt (Werbung/Affiliate-Link).
Ausführliche Informationen zu weiteren regionalen und gesundheitlichen Themen finden Interessierte fortlaufend in der Rubrik Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch war die Inanspruchnahme der Jugenduntersuchungen bei der AOK NordWest in Herne?
Nach aktuellen Auswertungen der AOK NordWest nahm im vergangenen Jahr etwa jeder vierte Teenager beziehungsweise 24,6 Prozent der versicherten Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren die medizinischen Gesundheits-Checks in Herne wahr. Im Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 18,1 Prozent.
Welche Unterschiede gibt es bei der Inanspruchnahme zwischen den Untersuchungen J1 und J2?
Im Jahr 2025 nahmen 41,6 Prozent der Jugendlichen zumindest die J1 in Anspruch, die für die Altersgruppe zwischen zwölf und 14 Jahren zum festen Leistungskatalog gehört. Die von der AOK als besondere Mehrleistung finanzierte J2 für 16- und 17-Jährige wurde hingegen nur von 9,4 Prozent besucht.
Welche medizinischen Schwerpunkte und Inhalte haben die Jugenduntersuchungen?
Neben der Kontrolle von Größe, Gewicht und Impfstatus werden Blut- und Harnuntersuchungen durchgeführt sowie Organe, das Skelettsystem und Sinnesfunktionen überprüft. Zudem wird auf Fehlhaltungen, chronische Erkrankungen, Hautprobleme, Essstörungen, Allergien sowie Diabetes-Risiken und Pubertätsstörungen geachtet.
Welche Rolle spielen vertrauliche Gespräche bei den Untersuchungen in Herne?
Beide Vorsorgeuntersuchungen bieten die Gelegenheit für ein ausführliches vertrauliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt über geistige und soziale Kompetenzen sowie eine gesundheitsfördernde Lebensführung. Jugendliche dürfen dabei eigenständig und ohne Begleitung ihrer Erziehungsberechtigten erscheinen.
Wie reagiert die AOK NordWest auf die geringen Nutzungszahlen in Herne?
Die AOK NordWest bewertet das Inanspruchnahmeniveau kritisch, appelliert dringend an alle Eltern, ihre Kinder zu motivieren, und weist auf verschiedenen digitalen Kanälen sowie durch persönliche Anschreiben auf das kostenfreie Angebot hin.
























