Herne. [sn] Die politische Auseinandersetzung um die Zukunft der Schwimmbadinfrastruktur im Stadtbezirk Eickel hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Bürgerinitiative (BI) „Hallenbad Eickel“, die sich mit einem deutlich formulierten sogenannten „Blauen Brief“ an Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda sowie an die Mitglieder des Rates der Stadt Herne gewandt hat. Die Initiative warnt vor einer aus ihrer Sicht folgenschweren Fehlentscheidung, die die Stadt über Jahrzehnte finanziell belasten und zugleich baukulturelle Werte dauerhaft zerstören könnte. Anlass ist die bislang verfolgte Planung, das bestehende Hallenbad abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.
Die Bürgerinitiative, die fachlich durch den Architekten Dipl.-Ing. Jürgen Köhne beraten wird, kritisiert, dass die bisherigen Ratsbeschlüsse auf einer Datenbasis beruhten, die fachlich nicht mehr haltbar sei. Nach Darstellung der BI habe die Stadtverwaltung seit dem Jahr 2022 relevante Bundes- und Landesförderprogramme ungenutzt verstreichen lassen und damit der Sanierungsvariante systematisch die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Aktuelle Förderprogramme priorisierten jedoch ausdrücklich die energetische Sanierung im Bestand. Ein Abriss mit anschließendem Neubau sei demgegenüber in der gegenwärtigen Förderlandschaft nahezu nicht berücksichtigungsfähig. Besonders kritisch bewertet die Initiative den Umstand, dass sich die ursprünglich mit rund 18.000.000 € veranschlagten Neubaukosten infolge von Zeitverzug und Baupreissteigerungen bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2029 auf mehr als 22.700.000 € erhöhen könnten.
„Die Einrede des Nichtwissens ist von der Zeit überholt worden“,
heißt es wörtlich in dem Schreiben der Initiative. Zugleich fordert die BI eine objektive, externe Überprüfung der Sanierungskosten unter Einbeziehung der aktuellen Fördermittelkulisse. Transparenz und vollständige Information der Ratsmitglieder seien unerlässlich für eine verantwortungsvolle Entscheidung. Der Verweis auf bürgerschaftliches Engagement und politische Teilhabe findet sich auch in allgemein zugänglichen Darstellungen, etwa im Wikipedia-Artikel zur Bürgerinitiative.
Politischer Realitätscheck: Förderpolitik und parteipolitische Fallhöhe
Zusätzliche Dynamik erhält die Debatte durch eine Stellungnahme der CDU-Fraktion Herne vom 21.01.2026. Darin begrüßt die Fraktion ein neues Investitionsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen für die Sportinfrastruktur als wichtiges Signal für die Kommunen. Nach Angaben der Bürgerinitiative sieht der Landeshaushalt 2026 ein Gesamtvolumen von 600 Millionen € vor, wovon 200 Millionen € ausdrücklich für Investitionen in kommunale Schwimmbäder vorgesehen sind. Die entsprechenden Förderrichtlinien befinden sich derzeit noch in der Ausarbeitung, sollen jedoch – so die BI – einen deutlichen Schwerpunkt auf energetische Sanierungen bestehender Anlagen legen.
Genau an diesem Punkt sieht die Bürgerinitiative ihre Argumentation bestätigt. Sie verweist darauf, dass die Sanierung des Hallenbads Eickel im Bestand nach den bekannten Programmlinien grundsätzlich förderfähig sei, während ein Neubau kaum Aussicht auf vergleichbare Zuschüsse habe. Politische Zielsetzungen wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und langfristige Begrenzung der Betriebskosten ließen sich nach Auffassung der Initiative mit einem Abriss-Neubau-Szenario nur schwer vereinbaren. Vor diesem Hintergrund fordert die BI insbesondere jene politischen Akteur:innen, die das Landesprogramm öffentlich als Chance für die kommunale Sportinfrastruktur hervorheben, zu einer konsistenten Anwendung dieser Maßstäbe im konkreten Fall des Hallenbads Eickel auf.
Brisant ist dabei auch die zeitliche Abfolge. Während die CDU-Fraktion ihre Position am 21.01.2026 veröffentlichte, wurde der „Blaue Brief“ der Bürgerinitiative am 09.02.2026 an Oberbürgermeister und Ratsmitglieder übermittelt. Nach Einschätzung der BI zeigt dies, dass ihre Kritik auf der aktuellen Förderkulisse des Jahres 2026 basiert und nicht auf überholten Annahmen. Damit wächst der politische Druck, die bestehenden Ratsbeschlüsse erneut zu überprüfen. Die grundsätzliche Debatte um den effizienten Einsatz öffentlicher Mittel wird auch auf Landes- und Bundesebene geführt, unter anderem im Umfeld des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Baupreissteigerungen und baukulturelle Verantwortung
Ein weiterer zentraler Punkt der Argumentation betrifft die Entwicklung der Baupreise. Unter Zugrundelegung statistischer Baupreisindizes geht die Bürgerinitiative davon aus, dass allein der Zeitverzug bis zu einem möglichen Baubeginn im Jahr 2027 erhebliche Mehrkosten verursacht. Während die Basis-Kalkulation aus dem Jahr 2023 noch von 18.000.000 € ausging, müssten bei einer Fertigstellung im Jahr 2029 nach Berechnungen der Fachberater rund 22.716.000 € angesetzt werden. Dies entspreche einer Kostensteigerung von über 25 %, ohne dass zusätzliche qualitative Verbesserungen verbunden wären.
Über die rein finanzielle Betrachtung hinaus verweist die Bürgerinitiative auf die baukulturelle Bedeutung des Hallenbads Eickel. Das Gebäude präge seit Jahrzehnten das Stadtbild und sei ein identitätsstiftender Ort für viele Bürger:innen. Ein Abriss würde nicht nur materielle Werte vernichten, sondern auch ein Stück lokaler Stadtgeschichte. Die BI fordert daher eine Rückkehr zu einer sachlichen, ergebnisoffenen Prüfung aller Optionen unter Einbeziehung der neuen Fördermittellandschaft des Jahres 2026. In diesem Zusammenhang erinnert sie die Ratsmitglieder an ihre Verantwortung gegenüber dem städtischen Vermögen und an die kommunalrechtliche Pflicht, unter Berücksichtigung aller Fördermöglichkeiten die wirtschaftlichste Lösung zu wählen – ein Anspruch, der auch auf dem Internetauftritt der Stadt Herne regelmäßig betont wird.
In der Rubrik Politik der SN SONNTAGSNACHRICHTEN werden die weiteren Entwicklungen und die Reaktionen der einzelnen Fraktionen auf den „Blauen Brief“ weiter intensiv begleitet. Die Entscheidung über die Zukunft des Hallenbads Eickel wird die Stadt Herne weit über das Jahr 2026 hinaus prägen – entweder als Beispiel für eine nachhaltige, wirtschaftlich tragfähige Stadtentwicklung oder als weiteres Kapitel kommunaler Fehlplanung.
























