Herne/Los Angeles (US). [sn] In der schillernden Welt von Hollywood bereitet sich die Filmindustrie bereits intensiv auf die 98. Verleihung der Academy Awards vor, die am 15.03.2026 im Dolby Theatre in Los Angeles (US) stattfinden wird. Während die Öffentlichkeit gespannt auf die Nominierten blickt, stellt sich für viele Beobachter:innen eine grundlegende Frage: Wer gehört eigentlich zu dem erlauchten Kreis, der über Sieg und Niederlage entscheidet? Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS), über die man aktuelle Details beim Nachrichtenmedium SPIEGEL nachlesen kann, hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt, um moderner, diverser und transparenter zu werden. Aktuell zählt die Organisation rund 10.136 stimmberechtigte Mitglieder, die in 19 verschiedenen Fachbereichen, den sogenannten Branches, organisiert sind. Diese Fachkräfte repräsentieren alle Disziplinen des Filmemachens, wobei die Sparte der Schauspieler:innen mit über 1.300 Personen die größte Gruppe bildet. Ein interessanter Aspekt der Geschichte dieser Institution findet sich im entsprechenden Wikipedia-Artikel, der die Entwicklung von einer kleinen Elitegruppe zu einem globalen Netzwerk nachzeichnet. Die Stimmberechtigung ist dabei an strenge Aktivitätsregeln geknüpft, um sicherzustellen, dass die Jury stets am Puls der Zeit bleibt, wobei Oscar-Gewinner:innen ein lebenslanges Stimmrecht genießen.
Ein exklusiver Club mit strengen Aufnahmeregeln
Wer Mitglied in der Oscar-Akademie werden möchte, muss einen harten Selektionsprozess durchlaufen, denn eine einfache Bewerbung ist nicht vorgesehen. Der sicherste Weg führt über eine eigene Nominierung für einen Oscar, da diese Personen im darauffolgenden Jahr fast ausnahmslos eine Einladung erhalten. Für alle anderen Filmschaffenden ist das Prinzip der Bürgschaft entscheidend: Zwei bestehende Mitglieder desselben Fachbereichs müssen eine Patenschaft übernehmen und die außergewöhnlichen Leistungen der Kandidat:innen schriftlich bestätigen. Die Anforderungen variieren dabei je nach Gewerk erheblich. So benötigen Regisseur:innen mindestens zwei Credits für Spielfilme, die den hohen Standards der Academy entsprechen, während Schauspieler:innen mindestens drei Rollen in Spielfilmen nachweisen müssen, von denen eine aus den letzten fünf Jahren stammen sollte. Ein besonderes Augenmerk liegt 2026 auf den neuen Inklusionsstandards, die sicherstellen sollen, dass die Zusammensetzung der Jury die globale Vielfalt der Kinolandschaft widerspiegelt. Mittlerweile sind etwa 35 % der Mitglieder Frauen und rund 22 % stammen aus unterrepräsentierten ethnischen Gruppen, was das Ergebnis langjähriger Reformbemühungen ist. Um die Arbeit der Filmschaffenden zu unterstützen, bietet beispielsweise ein passendes Amazon-Produkt zum Thema Drehbuchschreiben hilfreiche Einblicke in die hohen Standards der Branche. Die endgültige Entscheidung über neue Aufnahmen trifft das Board of Governors, das die Vorschläge der einzelnen Zweige prüft. Wer einmal aufgenommen wurde, verpflichtet sich zur Einhaltung eines strengen Ethikkodex, der nach den Skandalen der letzten Jahre massiv verschärft wurde, um die Integrität der Auszeichnung zu schützen.
Die Stimmabgabe selbst erfolgt in einem zweistufigen Verfahren, das streng geheim ist und vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) überwacht wird. In der Nominierungsphase wählen die Mitglieder der jeweiligen Fachbereiche nur ihre Kolleg:innen aus – Kameraleute nominieren Kameraleute, Editor:innen nominieren Editor:innen. Lediglich in der Kategorie „Bester Film“ sind alle 10.136 Stimmberechtigten bereits in der ersten Runde gefragt, wobei das komplexe Präferenzwahlsystem (Instant Runoff Voting) zum Einsatz kommt. Für die Finalrunde im Jahr 2026 dürfen dann alle aktiven Mitglieder in allen 24 Kategorien abstimmen, sofern sie die nominierten Werke gesehen haben. Eine technische Neuerung sorgt dabei für Diskussionen: Die Academy hat die traditionellen Vorführungen in Kinosälen nach der Nominierungsbekanntgabe dauerhaft eingestellt und setzt nun vollständig auf den digitalen „Academy Screening Room“. Laut Informationen einer internationalen Organisation für Filmkultur fördert diese Digitalisierung zwar die globale Erreichbarkeit, wird aber von Verfechtern des klassischen Kinos kritisch gesehen. Der gesamte Prozess unterliegt den Bestimmungen des kalifornischen Vereinsrechts, vergleichbar mit den Transparenzanforderungen, die man in Deutschland im Rahmen der Rubrik Kultur der SN SONNTAGSNACHRICHTEN diskutiert. Bis zum 26.02.2026 bleibt das Votingfenster geöffnet, bevor die Ergebnisse am Abend der Verleihung weltweit verkündet werden.
Zwischen Tradition und digitaler Revolution
Die Struktur der Academy spiegelt die gesamte Wertschöpfungskette des Films wider, von der ersten Drehbuchseite bis hin zum Marketing und der Distribution. Neben den kreativen Köpfen entscheiden auch Führungskräfte großer Studios und Expert:innen aus Wissenschaft und Technik über die Preisträger:innen. Jedes Jahr im Sommer werden neue Mitglieder eingeladen, wobei die Zahl der Einladungen zuletzt leicht gedrosselt wurde, um die Exklusivität zu wahren. Während die Branche über den Einfluss von künstlicher Intelligenz debattiert, hat die Academy für 2026 erstmals klare Richtlinien zur Nutzung von KI-Tools in eingereichten Filmen festgelegt, um die menschliche Urheberschaft zu schützen. „Wir müssen sicherstellen, dass die Seele des Films menschlich bleibt“, sagte ein Sprecher der Academy gegenüber der Branchenzeitung Variety. Diese Entwicklung wird von Experten weltweit genau beobachtet, um die Balance zwischen technologischem Fortschritt und künstlerischer Integrität zu wahren. Am Ende zählt jede einzelne Stimme der 10.136 Juroren:innen, um zu entscheiden, wer am 15.03.2026 die goldene Statuette mit nach Hause nehmen darf. Es bleibt abzuwarten, ob die zunehmende Diversifizierung der Wählerschaft auch in diesem Jahr für Überraschungen bei der Verleihung sorgen wird, die weltweit von Millionen Menschen vor den Bildschirmen verfolgt wird.
























