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Kommunale Wärmeplanung Herne: BSW sieht soziale Lücken

Warum die Kritik am Herner Wärmeplan vor allem Bezahlbarkeit, Altbauten und Versorgungssicherheit betrifft

Stefan Budde-Siegel von Stefan Budde-Siegel
20.03.2026, 19:50 Uhr
Lesezeit: 7 Minuten.
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Zwei Personen diskutieren Wärmestrategien.

Bildnachweis/Rechtekette: Foto: © Gruppe BSW im Rat der Stadt Herne 2026

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Herne. [sn] Die Debatte um die kommunale Wärmeplanung in Herne wird schärfer, und das hat einen handfesten Grund: Die Gruppe Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) im Rat der Stadt Herne wirft dem Entwurf vor, die soziale Wirklichkeit einer Mieterstadt nicht ausreichend zu berücksichtigen. Aus den der Redaktion vorliegenden Einwänden vom 20.03.2026, einer Anfrage an den Oberbürgermeister vom 08.03.2026 und einem begleitenden BSW-Kontextpapier ergibt sich dabei ein roter Faden: Der Plan sei aus Sicht der Gruppe technisch zu optimistisch, wirtschaftlich nicht sauber durchgerechnet und vor allem an den Belastungsgrenzen vieler Haushalte vorbeigeschrieben. Rechtlich läuft die Wärmeplanung in Herne aber zunächst auf klarer Grundlage weiter. Die Stadt verweist selbst darauf, dass Stellungnahmen zum Entwurf vom 20.02.2026 bis zum 22.03.2026 eingereicht werden konnten und dass der endgültige Beschluss bis spätestens 30.06.2026 erfolgen soll; zugleich beschreibt sie die kommunale Wärmeplanung ausdrücklich als strategisches Instrument, das bei neuen technischen oder gesetzlichen Entwicklungen fortgeschrieben werden kann. Maßgeblich sind derzeit das Wärmeplanungsgesetz und in Nordrhein-Westfalen das Landeswärmeplanungsgesetz Nordrhein-Westfalen, während für Heizungen im Bestand weiterhin das Gebäudeenergiegesetz der Bundesrepublik Deutschland (GEG) den Rahmen setzt. Genau hier liegt der erste politische Konflikt: Die BSW argumentiert mit einer angekündigten Reformdebatte um ein Gebäudemodernisierungsgesetz und verlangt deshalb eine Neubewertung, rechtlich verbindlich ist im Verfahren derzeit aber der bestehende Rechtsrahmen. Wer es nüchtern zusammenfasst, landet bei einer wenig glamourösen, dafür sehr kommunalpolitischen Wahrheit: Nicht jeder politische Richtungsruf aus Berlin hebt einen laufenden Herner Entwurf automatisch aus den Angeln, aber jede realitätsferne Annahme in einem Wärmeplan kann später teuer werden.

Wo die BSW inhaltlich ansetzt

Im Kern zielt die Kritik der BSW auf drei Punkte, die im offiziellen Herner Entwurf tatsächlich als harte Weichenstellungen erkennbar sind. Erstens geht der Wärmeplan für 2045 von einem deutlichen Strukturwandel weg vom heutigen Erdgas aus und beschreibt auf Seite 65 ausdrücklich den „Rückbau und die Umwidmung der Gasinfrastruktur“. Zweitens setzt das Zielszenario stark auf Wärmepumpen: Auf Seite 60 werden für 26.167 Gebäude 61,0 % Wärmepumpen und 26,1 % Fernwärme als primäre Wärmebedarfsdeckung ausgewiesen. Drittens rechnet der Entwurf selbst mit einem drastisch steigenden Strombedarf für Wärmeanwendungen: Ausgehend von heute 3 GWh pro Jahr steigt der Bedarf laut Seite 65 je nach Sanierungstiefe um den Faktor 37 bis 48; zugleich steigt die erforderliche Anschlussleistung von heute 2 Megawatt auf 80 bis 105 Megawatt. Genau diese Zahlen nutzt die BSW, um zu sagen: Wer auf dem Papier 61 % Wärmepumpen in einer Stadt mit vielen Altbauten und Mietwohnungen ansetzt, muss sehr genau erklären, wie das sozial, technisch und finanziell funktionieren soll. Das ist kein randständiger Einwand, sondern trifft die neuralgische Stelle des Entwurfs. Denn derselbe Wärmeplan verweist zwar auf Sanierung, sinkenden Wärmebedarf und langfristig niedrigere Energiekosten, räumt aber ebenso ein, dass ein Großteil der erforderlichen Investitionen bei Bürger:innen, Wohnungswirtschaft und Unternehmen liegt. Die BSW überträgt diese abstrakte Einsicht auf die Herner Wohnwirklichkeit und bestreitet, dass sich gerade in älteren Gebäuden mit hohen Räumen, klassischer Heizkörpertechnik und begrenzten Sanierungsbudgets ein so hoher Wärmepumpenanteil ohne massive Kosten- und Umbaufolgen realisieren lässt. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der im Entwurf selbst angesprochen wird: Das theoretische Biomassepotenzial in Herne liegt bei etwa 63 bis 75 GWh pro Jahr. Die BSW leitet daraus ab, dass alternative oder ergänzende Pfade nicht vorschnell kleingeredet werden dürfen. Ob diese Schlussfolgerung am Ende planerisch trägt, ist offen; unplausibel ist sie jedenfalls nicht. Wer sich tiefer in die typische Technikdebatte zu Bestandsgebäuden einlesen will, findet mit (bezahlter Link) Wärmepumpenheizungen: Planungshilfe und Ratgeber für Neubauten und Bestandsgebäude einen thematisch passenden Titel, auch wenn ein Buch natürlich keinen Herner Wärmeplan ersetzt.

Warum die soziale Frage politisch gefährlich bleibt

Der entscheidende politische Hebel der BSW ist nicht das abstrakte Schlagwort Technologieoffenheit, sondern die soziale Folgefrage. Herne ist keine Musterstadt aus dem Prospekt, sondern ein heterogener Gebäudebestand mit erheblichem Mietwohnungsanteil, alten Häusern und begrenzten privaten Spielräumen. Der offizielle Entwurf betont zwar, die künftige Wärmeversorgung solle sozial verträglich und wirtschaftlich tragfähig sein; er hebt auch hervor, dass in potenziellen Fernwärme- oder Wasserstoffgebieten weiterhin dezentrale Technologien möglich bleiben und nach § 18 Abs. 2 Wärmeplanungsgesetz weder ein Anspruch noch eine Pflicht auf einen Wärmenetzanschluss besteht. Gleichzeitig zeigt derselbe Entwurf, wie groß die Spannungen werden können: Schon heute deckt Erdgas rund 80,3 % des Wärmebedarfs im Gebäudebestand, Wärmenetze liegen bei 11,0 %, und der Netzausbau braucht hohe Anschlussquoten, jahrelange Investitionen und Akzeptanz im Straßenraum. Wenn dann ausgerechnet jene Haushalte, die weder mühelos sanieren noch eine teure Einzelumrüstung schultern können, den Umbau am Ende über höhere Mieten, Netzentgelte, Betriebskosten oder Modernisierungsdruck finanzieren sollen, dann ist die soziale Kritik kein Populismus, sondern schlichte Kommunalrealität. Deshalb ist der stärkste Satz der BSW inhaltlich nicht der Angriff auf das Gasnetz, sondern die Forderung nach einer transparenten sozialen Folgeabschätzung. Genau dort entscheidet sich, ob die kommunale Wärmeplanung als Orientierungsinstrument Vertrauen schafft oder als technokratische Zumutung endet. Der Herner Entwurf ist damit weder wertlos noch erledigt; er ist aber erklärungsbedürftig, und zwar gerade bei den Punkten, die auf Bürger:innenseite Geld, Bauaufwand und Versorgungssicherheit betreffen. Für die politische Debatte im Rat dürfte deshalb weniger die Frage entscheidend sein, ob die Wärmewende kommt, sondern unter welchen sozialen Bedingungen sie in Herne organisiert wird. Wer diese Frage zu spät beantwortet, bekommt keine Wärmewende mit Rückhalt, sondern den nächsten kommunalen Dauerstreit mit Ansage. Weitere kommunalpolitische Beiträge finden sich in der Rubrik Politik bei den SONNTAGSNACHRICHTEN.

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Häufig gestellte Fragen

Worum geht es im Artikel „Kommunale Wärmeplanung Herne: BSW sieht soziale Lücken“?

Herne. [sn] Die Debatte um die kommunale Wärmeplanung in Herne wird schärfer, und das hat einen handfesten Grund: Die Gruppe Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) im Rat der Stadt Herne wirft dem Entwurf vor, die soziale Wirklichkeit einer Mieterstadt nicht ausreichend zu berücksichtigen.

Wo die BSW inhaltlich ansetzt?

Im Kern zielt die Kritik der BSW auf drei Punkte, die im offiziellen Herner Entwurf tatsächlich als harte Weichenstellungen erkennbar sind. Erstens geht der Wärmeplan für 2045 von einem deutlichen Strukturwandel weg vom heutigen Erdgas aus und beschreibt auf Seite 65 ausdrücklich den „Rückbau und die Umwidmung der Gasinfrastruktur“. Zweitens setzt das Zielszenario stark auf Wärmepumpen: Auf Seite 60 werden für 26.167 Gebäude 61,0 % Wärmepumpen und 26,1 % Fernwärme als primäre Wärmebedarfsdeckung ausgewiesen.

Warum die soziale Frage politisch gefährlich bleibt?

Der entscheidende politische Hebel der BSW ist nicht das abstrakte Schlagwort Technologieoffenheit, sondern die soziale Folgefrage. Herne ist keine Musterstadt aus dem Prospekt, sondern ein heterogener Gebäudebestand mit erheblichem Mietwohnungsanteil, alten Häusern und begrenzten privaten Spielräumen. Der offizielle Entwurf betont zwar, die künftige Wärmeversorgung solle sozial verträglich und wirtschaftlich tragfähig sein; er hebt auch hervor, dass in potenziellen Fernwärme- oder Wasserstoffgebieten weiterhin dezentrale Technologien möglich bleiben und nach § 18 Abs.

Welche Folgen, Bewertungen oder Entwicklungen beschreibt der Artikel?

Maßgeblich sind derzeit das Wärmeplanungsgesetz und in Nordrhein-Westfalen das Landeswärmeplanungsgesetz Nordrhein-Westfalen, während für Heizungen im Bestand weiterhin das Gebäudeenergiegesetz der Bundesrepublik Deutschland (GEG) den Rahmen setzt. Genau hier liegt der erste politische Konflikt: Die BSW argumentiert mit einer angekündigten Reformdebatte um ein Gebäudemodernisierungsgesetz und verlangt deshalb eine Neubewertung, rechtlich verbindlich ist im Verfahren derzeit aber der bestehende Rechtsrahmen.

Welche abschließenden Informationen enthält der Artikel?

Erstens geht der Wärmeplan für 2045 von einem deutlichen Strukturwandel weg vom heutigen Erdgas aus und beschreibt auf Seite 65 ausdrücklich den „Rückbau und die Umwidmung der Gasinfrastruktur“. Zweitens setzt das Zielszenario stark auf Wärmepumpen: Auf Seite 60 werden für 26.167 Gebäude 61,0 % Wärmepumpen und 26,1 % Fernwärme als primäre Wärmebedarfsdeckung ausgewiesen.

Tags: Altbauten HerneBiomasse HerneBSW HerneFernwärme HerneGasnetz HerneGebäudeenergiegesetzHeizkosten HerneHerneKommunale Wärmeplanung HerneLandeswärmeplanungsgesetz Nordrhein-WestfalenMietwohnungen HernePolitikRat der Stadt HerneSN SONNTAGSNACHRICHTENSONNTAGSNACHRICHTENSoziale Aspekte WärmeplanungStadtwerke HerneStrombedarf WärmewendeWärmeplan HerneWärmeplanungsgesetzWärmepumpe HerneWirtschaft
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Stefan Budde-Siegel

Stefan Budde-Siegel (* 1971) schreibt u. a. für die SN SONNTAGSNACHRICHTEN, verschiedene Blogs und Fachzeitschriften zu Recht, Verwaltung, Architektur, Brandschutz und sicherheitsrelevanten Themen. Er arbeitet redaktionell, fachlich und technisch an der Schnittstelle von Praxis, Behördenumfeld und öffentlicher Kommunikation. Seine Beiträge konzentrieren sich auf nachvollziehbare Einordnung, dokumentierte Sachverhalte und eine klare, verständliche Darstellung komplexer Zusammenhänge. WHATSAPP | TELEFON | E-MAIL

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