Herne. [sn] Der flächenmäßige Mittelpunkt der Stadt Herne liegt nach einer neuen rechnerischen Auswertung der veröffentlichten Stadtgrenze näherungsweise bei 51.5380, 7.2220. Gemeint ist damit nicht das Rathaus, nicht der historische Ortskern und auch nicht der bekannte Mittelpunkt des Ruhrgebiets, sondern der geometrische Flächenschwerpunkt der gesamten Stadtfläche. Die Berechnung stützt sich auf den Open-Data-Datensatz „Stadtgrenze“, der die Verwaltungsgrenze der Stadt Herne als Vektordatensatz beschreibt und unter anderem als GeoJSON, Shape-Datei und Web Feature Service bereitstellt. Das Geoportal Ruhr weist den Datensatz als Verwaltungsgrenze im Koordinatenreferenzsystem EPSG:25832 aus; zugleich enthält der Datensatz den Hinweis, dass die Veröffentlichung kein amtlicher Nachweis ist und keine Haftung für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen wird. Für Google Maps lautet die nutzbare Koordinate: 51.5380, 7.2220. Wer die Angabe aufruft, landet grob im Bereich Herne-Mitte/Baukau. Das Ergebnis ist damit eher eine geodätische Kuriosität mit sauberer Datengrundlage als ein amtlich gesetzter Punkt im Stadtbild. Es zeigt aber, wie sehr sich die gefühlte Mitte einer Stadt von ihrem rechnerischen Schwerpunkt unterscheiden kann. Herne wird im allgemeinen Überblick häufig über seine Lage im Ruhrgebiet, seine vier Stadtbezirke, seine dichte Bebauung und seine industrielle Geschichte beschrieben; ein kompakter Einstieg findet sich etwa im Wikipedia-Artikel Herne. Der hier berechnete Punkt folgt jedoch nicht der Wahrnehmung von Zentren, Einkaufsstraßen oder Verwaltungsstandorten, sondern allein der Geometrie der Stadtgrenze. Grundlage ist der Datensatz Stadtgrenze Herne im Geoportal Ruhr, der als Quelle die Stadt Herne, Fachbereich Kataster und Geoinformation, ausweist. Genau darin liegt der Unterschied: Ein gefühlter Mittelpunkt entsteht durch Wege, Plätze, Bahnhöfe, Stadtteilidentität und Alltag. Ein Flächenschwerpunkt entsteht durch ein Polygon.
DEN MITTELPUNKT VON HERNE AUF GOOGLE MAPS FINDEN
Grundlage ist der geometrische Flächenschwerpunkt der veröffentlichten Stadtgrenze Herne im Koordinatenreferenzsystem EPSG:25832, umgerechnet nach WGS 84 für Google Maps. Es handelt sich nicht um einen amtlich festgelegten Lagepunkt.
Warum der Mittelpunkt nicht einfach gemittelt werden darf
Für die Berechnung reicht es nicht, die nördlichste, südlichste, westlichste und östlichste Stelle der Stadt zu nehmen und daraus einen Mittelwert zu bilden. Ein solcher Rechteckmittelpunkt wäre nur der Mittelpunkt einer gedachten Umhüllung, nicht der Schwerpunkt der tatsächlichen Stadtfläche. Ebenso wenig wäre es fachlich sauber, die Breiten- und Längengrade aller Grenzpunkte unmittelbar zu mitteln. Gradkoordinaten sind keine gleichmäßigen Meterkoordinaten; je nach geografischer Breite verändern sich die realen Abstände. Deshalb wird die Stadtgrenze zunächst in einem metrischen Koordinatensystem ausgewertet. Der Herner Datensatz liegt nach den Metadaten im System ETRS89 / UTM Zone 32N, EPSG:25832, vor. Dort werden Koordinaten in Metern verarbeitet. Aus dem Polygon der Stadtgrenze wird anschließend der Schwerpunkt berechnet. Vereinfacht gesagt wird gefragt, an welchem Punkt die Stadtfläche im mathematischen Sinn im Gleichgewicht wäre, wenn sie als dünne Platte mit gleichmäßiger Dichte gedacht würde. Erst nach dieser Berechnung wird der Punkt wieder in geografische Koordinaten umgerechnet, damit er in Google Maps verwendbar ist. Aus der hier zugrunde gelegten Berechnung ergibt sich gerundet 51.5380 nördliche Breite und 7.2220 östliche Länge. In Grad, Minuten und Sekunden entspricht dies näherungsweise 51° 32′ 16,8″ N und 7° 13′ 19,2″ E. In metrischen Koordinaten liegt der berechnete Punkt ungefähr bei einem Rechtswert von 376691,27 m und einem Hochwert von 5711153,62 m. Diese Werte sind nicht als Vermessungsurkunde zu verstehen, sondern als nachvollziehbares Ergebnis einer GIS-Berechnung. GIS steht für Geoinformationssystem und bezeichnet Verfahren, mit denen räumliche Daten erfasst, ausgewertet und dargestellt werden. Wer sich mit solchen Verfahren praktisch beschäftigt, findet Fachliteratur und Werkzeuge auch im Buchhandel, etwa über ein GIS-Fachbuch zu Geoinformationssystemen. Der Punkt ist berechnet, nicht beschlossen. Er ersetzt keine amtliche Grenzfeststellung, keine Katasterauskunft und keine kommunale Widmung. Er kann aber transparent angegeben werden, wenn die Berechnungsgrundlage offen benannt wird.
Was der Punkt über Herne zeigt
Der neue Flächenschwerpunkt ist auch deshalb interessant, weil Herne im Ruhrgebiet keine großflächige Stadt mit weiten Außenbereichen ist, sondern ein dicht bebautes, historisch stark gewachsenes Stadtgebiet zwischen Bochum, Gelsenkirchen, Herten, Recklinghausen und Castrop-Rauxel. Die heutige Stadtgestalt ist durch frühere Gemeinden, Bergbau, Verkehrstrassen, Stadtteilgrenzen und die Zusammenführung mit Wanne-Eickel geprägt. Deshalb kann ein geometrischer Mittelpunkt schnell anders liegen, als viele Einwohner:innen erwarten würden. Wer an Herne denkt, denkt je nach Stadtteil an die Bahnhofstraße, an Wanne, an Eickel, an Sodingen, an Baukau, an den Rhein-Herne-Kanal, an Crange, an frühere Zechenstandorte oder an das Rathaus. Der Flächenschwerpunkt ignoriert diese Bedeutungsebenen vollständig. Er ist nüchtern, mathematisch und gerade deshalb nützlich: Er macht sichtbar, dass Stadtmitte nicht nur eine Frage von Geschichte, Verwaltung oder Gefühl ist, sondern auch eine Frage der Fläche. In der lokalen Berichterstattung werden solche Themen meist erst dann greifbar, wenn sie mit Karten, Alltagsorten und überprüfbaren Daten verbunden werden; entsprechende Stadtinformationen finden Leser:innen auch in der regionalen Herne-Berichterstattung. Für weitere lokale Themen aus Herne verweist die Redaktion auf Lokales Herne der SN SONNTAGSNACHRICHTEN.
Was nun Herne?
Für Bürger:innen und Tourist:innen könnte aus der nüchternen Koordinate zugleich ein sichtbarer Ort werden: Eine kleine Stele aus Edelstahl oder Stein, eine eingelassene Bodenplatte oder eine schlichte Bronzetafel mit den Koordinaten 51.5380, 7.2220 würde den berechneten Flächenschwerpunkt der Stadt Herne im Stadtraum markieren. Ein solcher Punkt hätte keinen amtlichen Vermessungscharakter, könnte aber als lokales Orientierungszeichen, als niedrigschwelliges Stadtmarketing und als Fotoobjekt funktionieren – ähnlich wie andere Städte besondere geografische oder historische Punkte sichtbar machen.























