Bochum/Herne. [sn] Der BSW-Kreisverband Herne greift die Geschäftspolitik des Wohnungskonzerns Vonovia vor dessen ordentlicher Hauptversammlung am 21.05.2026 in Bochum scharf an und stellt die geplante Dividende in den Mittelpunkt seiner Kritik. Nach Angaben von Vonovia soll der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 1,25 € je Aktie vorgeschlagen werden; der Geschäftsbericht weist dafür eine Ausschüttung von 1.060.270.481,25 € auf die zum 31.12.2025 dividendenberechtigten Aktien aus. Zugleich nennt der Konzern für 2025 ein Adjusted EBITDA Total der fortgeführten Geschäftsbereiche von 2.800,8 Mio. €. Für das BSW ist diese Zahlenlage politisch brisant, weil Vonovia auch in Herne als großer privater Wohnungskonzern präsent ist und der Kreisverband die steigenden Wohnkosten, hohe Nebenkosten sowie aus seiner Sicht unzureichende Instandhaltung mit den Renditeerwartungen des Kapitalmarkts verknüpft. Der Konzern verweist demgegenüber in seinen eigenen Unterlagen auf wirtschaftliche Erfolge, Kundennähe, Investitionen, Modernisierung und gesellschaftliche Verantwortung; diese Selbstdarstellung steht nun erneut neben einer politischen Debatte über bezahlbares Wohnen. Vonovia selbst kündigt die Hauptversammlung auf der eigenen Investorenseite als Präsenzveranstaltung in Bochum an und stellt dort unter anderem Geschäftsbericht, Tagesordnung und Reden zur Verfügung, abrufbar über die Hauptversammlung von Vonovia. Der BSW-Kreisverband Herne bewertet die Ausschüttung jedoch nicht als reine Kapitalmarktfrage, sondern als soziales Signal in einer Stadt, in der viele Haushalte zur Miete wohnen und Wohnkosten unmittelbar auf die verfügbare Kaufkraft durchschlagen.
BSW sieht Herne besonders betroffen
Nach Darstellung des BSW-Kreisverbands Herne ist die Stadt von der Entwicklung besonders betroffen, weil sie traditionell eine Mieterstadt mit vielen älteren Wohngebäuden und einem hohen Anteil von Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen sei. Der Kreisverband verweist darauf, dass der Konzern bereits zu Zeiten der Deutschen Annington, die nach weiteren Fusionen 2015 in Vonovia umbenannt wurde, über rund 4.550 Wohnungen in Herne verfügt habe; diese konkrete Bestandszahl wird hier als Angabe aus der BSW-Mitteilung wiedergegeben, nicht als aktuell öffentlich verifizierte Konzernzahl. Belastbar ist dagegen, dass Vonovia aus der Deutschen Annington hervorging und heute als großer europäischer Wohnungsanbieter auftritt; eine allgemeine Unternehmensdarstellung findet sich auch im Wikipedia-Artikel zu Vonovia. Der BSW leitet aus der lokalen Marktstellung eine besondere Verantwortung des Konzerns für den Herner Wohnungsmarkt ab. Die politische Kritik richtet sich vor allem gegen das Verhältnis von Mietzahlungen, Konzerngewinn und Dividende. Der Kreisverband rechnet vor, dass die geplante Ausschüttung von rund 1,06 Mrd. € bei rechnerischer Umlegung auf die von Vonovia gehaltenen Wohnungen einer monatlichen Belastungsgröße von etwa 166 € je Haushalt entspreche. Außerdem stellt das BSW die Dividende ins Verhältnis zu den Mieteinnahmen und spricht davon, dass mit jedem Euro Kaltmiete etwa 30 Cent in die Dividende flössen. Diese Rechnung ist als politische Zuspitzung des Kreisverbands zu verstehen; rechnerisch stützt sie sich auf die im Geschäftsbericht genannten Segmenterlöse Rental von 3.417,2 Mio. € und die vorgeschlagene Dividendensumme von rund 1,06 Mrd. €. In dieselbe Richtung geht die Kritik an konzerninternen Dienstleistungen, Nebenkostenabrechnungen und dem Umgang mit Beschwerden. Der BSW berichtet von Klagen über Schimmel, defekte Aufzüge, Heizungsausfälle und mangelnde Pflege von Wohnanlagen. Diese Vorwürfe werden als Darstellung des Kreisverbands wiedergegeben; eine Einzelfallprüfung konkreter Herner Objekte liegt dieser Veröffentlichung nicht zugrunde. Über die bundesweite Entwicklung berichtete zuletzt auch die Entwicklung bei Vonovia, einschließlich höherer Mieten, Dividendenplänen und Kritik aus dem Mieterschutz.
Forderung nach anderer Wohnungspolitik
Der BSW-Kreisverband Herne sieht in der Vonovia-Debatte ein Beispiel für eine wachsende soziale Schieflage auf dem Wohnungsmarkt. Nach seiner Auffassung wird Wohnen immer stärker zum Renditeobjekt, während bezahlbare Wohnungen knapper würden und sozialer Wohnungsbau nicht in ausreichendem Umfang entstehe. Der BSW-Stadtverordnete Norbert Arndt erklärte dazu:
„Viele Menschen in Herne müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Gleichzeitig fließen mit jeder Mietzahlung enorme Summen an Aktionäre und Investoren. Das ist sozialpolitisch nicht haltbar“.
Der Stadtverordnete Michael Wiese ergänzte:
„Wohnen ist ein Grundrecht und darf nicht zum Luxus werden. Städte wie Herne brauchen endlich wieder eine soziale Wohnungspolitik, die die Interessen der Menschen und nicht die Renditeerwartungen großer Konzerne in den Mittelpunkt stellt“.
Aus diesen Aussagen leitet der Kreisverband Forderungen nach stärkerem kommunalem und gemeinnützigem Wohnungsbau, Rekommunalisierung veräußerter Wohnungsbestände, wirksameren Begrenzungen von Mietsteigerungen, strengeren Kontrollen bei Nebenkostenabrechnungen sowie besserem Schutz von Mieter:innen vor Verdrängung und überhöhten Wohnkosten ab. Für Vonovia bleibt die Hauptversammlung damit nicht nur ein Termin für Aktionär:innen, sondern auch ein öffentlicher Resonanzraum für wohnungspolitische Kritik aus den Städten, in denen der Konzern Wohnungen besitzt. Wer die Debatte in Herne weiterverfolgt, findet lokale Berichterstattung in der Rubrik Lokales Herne der SN SONNTAGSNACHRICHTEN. Für Mieter:innen, die ihre Betriebskostenabrechnung prüfen oder ihre Rechte gegenüber Vermieter:innen besser einordnen wollen, kann ergänzend ein aktueller Mietrechtsratgeber hilfreich sein, etwa ein Mietrecht-Ratgeber zur Betriebskostenabrechnung. Entscheidend bleibt jedoch die politische Frage, ob die Renditelogik großer börsennotierter Wohnungskonzerne mit der sozialen Funktion des Wohnens vereinbar ist. Der BSW beantwortet diese Frage mit deutlicher Ablehnung; Vonovia verweist in seinen Konzernunterlagen auf Investitionen, Modernisierung, Neubau, Kundennähe und Verantwortung. Zwischen diesen beiden Sichtweisen liegt der Konflikt, der in Herne nicht abstrakt wirkt, sondern an Mietverträgen, Nebenkosten und dem Zustand konkreter Wohnanlagen sichtbar wird.























