Gladbeck/Herne. [sn] Ein Vampir kommt auf die Leinwand, die Musik entsteht live vor Ort: Das Duo InterZone Perceptible kündigt für Samstag, 03.10.2026, eine Aufführung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ im Maxus an. Sven Hermann und Matthias Hettmer begleiten den Film mit ihrer Komposition „Histoplasmose“. Beginn ist um 19:30 Uhr, die Abendkasse öffnet laut Veranstaltungsankündigung um 19:00 Uhr. Der Eintritt kostet einheitlich 6 €. Wer einen Platz reservieren möchte, erreicht das Maxus unter 02043 24255 oder info@maxus-re.de. Veranstaltungsort ist die Erlenstraße 82 in 45964 Gladbeck.
Die angekündigte Aufführung verbindet einen mehr als hundert Jahre alten Film mit einer Musik, die InterZone Perceptible 2004 für ihn entwickelte. Die beiden Musiker beschreiben ihren Ansatz als „Industrial Soundart“. Ihre Klänge sollen die Handlung nicht einfach mit passenden Geräuschen begleiten. Nach ihrer Darstellung richten sie sich auf die inneren Welten der Figuren. Elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass und Live-Elektronik gehören zum Instrumentarium. Welche Wirkung diese Verbindung auf den Film hat, können Zuschauer:innen am Abend selbst erleben; eine bestimmte Reaktion des Publikums lässt sich aus einer Ankündigung nicht vorwegnehmen.

Ein Film, dessen Schatten weiterwirken
Murnaus „Nosferatu“ wurde 1922 erstmals öffentlich gezeigt. Die Handlung übernimmt wesentliche Motive aus Bram Stokers Roman „Dracula“ von 1897, verändert aber die Namen und Schauplätze. Aus dem Grafen Dracula wird Graf Orlok; der Vampir reist im Film nach Wisborg. Seine Gestalt, die Bewegungen und das Spiel mit Licht und Schatten trugen dazu bei, dass der Film zu einem Bezugspunkt des Horrorkinos wurde. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung führt den Film in ihrem Bestand und nennt die deutsche Erstaufführung am 04.03.1922. Die Dreharbeiten und die Veröffentlichung sind also zeitlich auseinanderzuhalten.
Hinter dem Klassiker steht auch ein Rechtsstreit. Die Produktion hatte die Rechte an Stokers Vorlage nicht erworben. Nach der Veröffentlichung ging dessen Witwe Florence Stoker gegen den Film vor; später wurde die Vernichtung von Kopien angeordnet. Dass „Nosferatu“ heute dennoch gezeigt werden kann, hängt damit zusammen, dass Kopien erhalten blieben und der Film in Archiven rekonstruiert wurde. Die Murnau-Stiftung ließ ihn 2005 und 2006 restaurieren. Der Überlieferungsweg gehört zur Geschichte des Werks, das am 03.10.2026 in Gladbeck auf dem Programm steht. Welche konkrete Filmfassung dort vorgeführt wird, nennt die Konzertankündigung nicht.
Die Bewahrung war keine Selbstverständlichkeit. Eine gerichtliche Vernichtungsanordnung und der Verlust von Filmmaterial erschwerten die spätere Rekonstruktion. Erhaltene Kopien aus verschiedenen Archiven lieferten die Grundlage für Fassungen, die heute wieder gezeigt werden können. Bei einem Film aus der Stummfilmzeit betrifft Restaurierung nicht allein schärfere Bilder. Auch die Reihenfolge von Einstellungen, Zwischentitel und historische Farbgebungen können für die Wiedergabe wichtig sein. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung dokumentiert ihre Restaurierungsarbeit; die Gladbecker Ankündigung enthält dagegen keine Angaben zu Trägermedium, Laufzeit oder verwendeter Kopie.
Das Werk erzählt seine Geschichte mit filmischen Mitteln, die ohne gesprochene Dialoge auskommen. Gesichter, Körperhaltung, Bildausschnitt, Zwischentitel und die Verteilung von Licht tragen die Handlung. Besonders die Silhouette des Grafen Orlok gehört zu den Bildern, über die der Film bis heute wiedererkannt wird. Eine Live-Begleitung tritt dazu als weiterer Teil der Aufführung. Sie verändert weder Murnaus Bilder noch die Handlung, wohl aber das akustische Umfeld, in dem das Publikum sie wahrnimmt. Gerade bei einem Stummfilm ist diese Entscheidung für den jeweiligen Abend prägend: Die Musik wird nicht bloß über einen Film gelegt, sondern zusammen mit seiner Vorführung dargeboten.
Im Film reist der Maklergehilfe Thomas Hutter zum Schloss des Grafen Orlok. Nach dem Besuch macht sich der Graf auf den Weg nach Wisborg, wo Hutter mit seiner Frau Ellen lebt. Mit der Ankunft des Vampirs verbindet die Erzählung Bilder von Krankheit und Bedrohung. Ellen erkennt, welche Gefahr von Orlok ausgeht. Die Figuren und der Ort unterscheiden sich von Stokers Roman, obwohl die Handlung dessen Vampirgeschichte deutlich erkennen lässt. Für die angekündigte Musik sind solche Szenen ein Ausgangspunkt: Die Pressemitteilung spricht davon, die inneren Zustände der Figuren hörbar zu machen. Sie gibt keine Abfolge einzelner Musikstücke oder eine Zuordnung von Klängen zu bestimmten Filmszenen vor.
Was „Histoplasmose“ hörbar machen soll
InterZone Perceptible nennt seine Musik zu „Nosferatu“ „Histoplasmose“. Die Pressemitteilung beschreibt sie als Dark-Ambient-Klangreise und nennt neben dem elektrifizierten Akkordeon einen gestrichenen E-Bass, Live-Elektronik, Gong, Stimme, Zuspielungen, Loop-Sampler und Keyboards. Dazu kommen ungewöhnliche Klangerzeuger: eine elektrifizierte Dachlatte, mikrophoniertes Styropor, eine Kuchengabel auf einer Glasscheibe, singende Weingläser und ein Kinderglockenspiel. Die Vielzahl der Mittel erklärt, weshalb das Duo seine Arbeit nicht als herkömmliche Begleitmusik bezeichnet. Welche davon bei der Gladbecker Aufführung tatsächlich eingesetzt werden und wie sie zusammenspielen, wird erst der Konzertabend zeigen.
Auf der Repertoireseite von InterZone Perceptible wird „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens / Histoplasmose“ als eigene Arbeit geführt. Hermann und Hettmer studierten nach ihren Angaben an der Folkwang Hochschule in Essen. Ihre Konzertankündigung nennt Gastspiele auf Einladung des Goethe-Instituts in Südkorea, Finnland und den Vereinigten Staaten. Seit 26 Jahren beschäftige sich das Duo mit Stummfilmmusik, heißt es dort. Das beschreibt seine künstlerische Praxis, belegt aber für sich weder die genaue Zahl bisheriger Aufführungen noch eine bestimmte Besetzung anderer Auftritte.
Nach Darstellung der Musiker soll sorgfältiges Sounddesign den Eindruck erzeugen, als kämen Geräusche aus der Leinwand. Zugleich wollen sie die äußeren Ereignisse des Films gerade nicht fortlaufend illustrieren. Diese beiden Ziele betreffen unterschiedliche Ebenen: Der Klang kann eng an die Bildwelt gebunden wirken, ohne jeden sichtbaren Schritt oder jede Bewegung nachzuahmen. Die Musik richtet die Aufmerksamkeit stattdessen auf Spannung, Unsicherheit und die Figuren. Ob das im Maxus gelingt, bleibt eine Frage der Aufführung und der Wahrnehmung der einzelnen Besucher:innen.
Zu diesem Konzept passt der Gegensatz zwischen vertrauten und ungewöhnlichen Klangquellen. Akkordeon, Bass und Keyboard sind als Instrumente erkennbar; bei einer Dachlatte oder einer Glasscheibe entsteht der Klang erst durch eine bestimmte Bearbeitung und Verstärkung. Ein Loop-Sampler kann aufgenommene Klänge wiederholen. Die Ankündigung zählt außerdem Stimme und Zuspielungen auf. Daraus lässt sich die Bandbreite der geplanten Arbeit beschreiben, aber kein fester Ablauf für den Gladbecker Abend ableiten. Hermann und Hettmer spielen die Musik live zum Film. Welche Klänge jeweils unmittelbar erzeugt und welche als vorbereitete Zuspielung verwendet werden, erläutert der Pressetext nicht. Der Unterschied ist für einen Bericht über die spätere Aufführung erst dann relevant, wenn er vor Ort beobachtet oder von den Musikern erklärt wird.
Der Name der Musik ist keine medizinische Erklärung
Der Titel „Histoplasmose“ bezeichnet auch eine tatsächliche Pilzerkrankung. Die Pressemitteilung nutzt den Begriff jedoch vor allem als düsteres Bild: Sie verknüpft Fledermäuse, einen angeblichen „Fluch der Pharaonen“ und den Vampir mit einer Vorstellung von Sporen, die das Publikum über die Musik erreichen. Das ist Teil der künstlerischen Erzählung. Die darüber hinaus in der Ankündigung aufgestellte Behauptung, die Menschen bei der Öffnung des Grabes von Tutanchamun seien innerhalb von fünf Jahren an Histoplasmose gestorben, ist nicht belegt. Sie darf nicht als historische oder medizinische Tatsache gelesen werden.
Eine im „British Medical Journal“ veröffentlichte Untersuchung prüfte die Lebensdauer von Menschen, die beim Öffnen des Grabes möglicherweise einem vermeintlichen Fluch ausgesetzt gewesen waren. Sie fand keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit einer verkürzten Lebensdauer. Auch der Archäologe Howard Carter, der das Grab entdeckt hatte, starb erst 1939. Die Entdeckung des Grabes 1922 und die damals verbreiteten Erzählungen über einen Fluch liefern der Komposition eine kulturelle Bildwelt. Sie beweisen keine Pilzinfektion der Expedition. Diese Trennung lässt dem Stück seine morbide Fantasie, ohne eine Legende zur gesicherten Diagnose umzudeuten.
Ähnlich verhält es sich mit der Figur des Vampirs. In der Ankündigung wird Nosferatu als Virus beschrieben, der sich durch Licht und Schatten verbreitet und über die Netzhaut ins Bewusstsein gelangt. Wörtlich genommen wäre das falsch; als Beschreibung der Wirkung von Film und Musik ist es ein künstlerisches Bild. Auch die Gleichsetzung des Grafen mit Vlad Dracul gehört zur werbenden Vampirerzählung und ist keine genaue Beschreibung von Murnaus Filmfigur. Auf der Leinwand steht Graf Orlok. Stokers „Dracula“ bildet die literarische Vorlage, die im Film ohne erworbene Rechte umgestaltet wurde.
Die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte von „Nosferatu“ zeigt, wie stark der Film mit späteren Vampirbildern verbunden wurde. Für die Gladbecker Veranstaltung ist gerade die Verbindung mit einer eigenständigen Musik der neue Rahmen. Wer den Film als Heimvideo kennt, hört an diesem Abend nicht dessen dort vorhandene Tonspur. Eine Blu-ray-Ausgabe des Filmklassikers bietet einen anderen Zugang zum Werk; sie dokumentiert nicht, wie InterZone Perceptible am 03.10.2026 live spielen wird.
Termin, Eintritt und Reservierung
Das Gladbecker Veranstaltungsprogramm erhält mit dem Abend eine Aufführung aus Film und Konzert. Die Mitteilung nennt Samstag, 03.10.2026, 19:30 Uhr als Beginn und 19:00 Uhr für die Öffnung der Abendkasse. Der Einheitspreis beträgt 6 €. Reservierungen nimmt das Maxus telefonisch unter 02043 24255 oder per E-Mail an info@maxus-re.de entgegen. Das Haus liegt an der Erlenstraße 82, 45964 Gladbeck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es bei „Nosferatu“ mit Live-Musik im Maxus Gladbeck?
Bei „Nosferatu“ mit Live-Musik im Maxus Gladbeck geht es um eine Aufführung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1922. Das Duo InterZone Perceptible begleitet den Film live mit seiner Komposition „Histoplasmose“. Sven Hermann und Matthias Hettmer verbinden dabei elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass, Live-Elektronik und weitere Klangquellen mit dem klassischen Vampirfilm.
Warum ist die Aufführung von „Nosferatu“ in Gladbeck besonders?
Die Aufführung von „Nosferatu“ in Gladbeck ist besonders, weil der Stummfilm nicht mit einer fertigen Tonspur gezeigt wird, sondern live musikalisch begleitet wird. InterZone Perceptible beschreibt die Musik als „Industrial Soundart“ und Dark-Ambient-Klangreise. Die Klänge sollen nach Darstellung des Duos nicht bloß sichtbare Ereignisse illustrieren, sondern innere Zustände der Figuren, Spannung und Unsicherheit hörbar machen.
Wer spielt die Live-Musik zu „Nosferatu“ im Maxus Gladbeck?
Die Live-Musik zu „Nosferatu“ im Maxus Gladbeck spielt das Duo InterZone Perceptible mit Sven Hermann und Matthias Hettmer. Beide Musiker studierten nach ihren Angaben an der Folkwang Hochschule in Essen. Die Konzertankündigung nennt als Klangmittel unter anderem elektrifiziertes Akkordeon, gestrichenen E-Bass, Live-Elektronik, Gong, Stimme, Zuspielungen, Loop-Sampler, Keyboards sowie ungewöhnliche Klangerzeuger wie eine elektrifizierte Dachlatte oder mikrophoniertes Styropor.
Welche Wirkung soll „Histoplasmose“ auf den Stummfilm „Nosferatu“ haben?
„Histoplasmose“ soll nach der Ankündigung die Bildwelt von „Nosferatu“ akustisch verdichten und den Eindruck erzeugen, als kämen Geräusche aus der Leinwand. Die Musik verändert weder Murnaus Bilder noch die Handlung, prägt aber das akustische Umfeld der Vorführung. Der Titel verweist künstlerisch auf Krankheit, Sporen, Fledermäuse und Vampirmotive. Medizinische oder historische Behauptungen aus solchen Bildern dürfen nicht als gesicherte Tatsachen gelesen werden.
Wann findet „Nosferatu“ mit InterZone Perceptible in Gladbeck statt?
„Nosferatu“ mit InterZone Perceptible findet am Samstag, 03.10.2026, im Maxus an der Erlenstraße 82 in 45964 Gladbeck statt. Beginn ist laut Ankündigung um 19:30 Uhr, die Abendkasse öffnet um 19:00 Uhr. Der Eintritt kostet einheitlich 6 €. Reservierungen sind unter 02043 24255 oder per E-Mail an info@maxus-re.de möglich.
























