Düsseldorf/Ebreichsdorf (AT)/Guntersdorf (AT)/Herne/Wien (AT). [sn] Ida Krottendorf gehört zu jenen Schauspieler:innen, deren Name im deutschsprachigen Theater- und Fernsehgedächtnis nicht nur über spätere Serienrollen, Familiengeschichten oder Nachrufe präsent blieb, sondern über einen frühen Bühnenmoment, der ihre Laufbahn sichtbar prägte: die Rolle der Maggie in Tennessee Williams’ Die Katze auf dem heißen Blechdach am Schauspielhaus Düsseldorf. Die in Ebreichsdorf geborene und in Guntersdorf aufgewachsene österreichische Schauspielerin, die später am Wiener Burgtheater spielte und einem breiten Publikum auch aus Film und Fernsehen bekannt wurde, hatte ihren künstlerischen Durchbruch Mitte der 1950er Jahre auf der Düsseldorfer Bühne. Entscheidend ist dabei nicht nur der prominente Stücktitel, sondern die konkrete Rolle: Maggie, im Original Margaret Pollitt, ist die Figur, an der sich die Spannungen des Stücks besonders sichtbar bündeln. Sie kämpft um Anerkennung, Ehe, Begehren, Erbe und Wahrheit in einer Familie, die ihre Konflikte hinter Höflichkeit, Besitzinteressen und Lebenslügen verbirgt. Wer diese Rolle trägt, muss nicht dekorativ auftreten, sondern den Abend dramatisch in Bewegung halten. Gerade deshalb erklärt sich, warum Krottendorfs Auftritt in Düsseldorf in biografischen Darstellungen als Durchbruch genannt wird. Das Düsseldorfer Theaterarchiv ordnet sie im Zusammenhang mit der europäischen Erstaufführung von Williams’ Stück ausdrücklich der Rolle der Maggie zu; auch spätere biografische Zusammenstellungen greifen diesen Punkt auf. Für die Einordnung der Schauspielerin ist diese Angabe mehr als eine Fußnote: Sie verbindet eine konkrete Aufführung, eine konkrete Figur und einen Abschnitt deutscher Theatergeschichte unmittelbar miteinander. Williams’ Drama war am 24.03.1955 in New York uraufgeführt worden und gelangte noch im selben Jahr auf deutschsprachige Bühnen; in Düsseldorf stand Krottendorf als Maggie im Zentrum einer Inszenierung, die den Stoff aus dem amerikanischen Süden in den europäischen Theaterbetrieb überführte. Dass die Rolle bis heute über den Filmerfolg mit Elizabeth Taylor und Paul Newman hinaus bekannt blieb, ändert daran nichts. Der Ursprung ihrer Wirkung liegt im Theater, nicht im Kino. Für Krottendorf bedeutete Maggie den Schritt von einer jungen Schauspielerin mit ersten Film- und Bühnenarbeiten zu einer Darstellerin, deren Name mit einer anspruchsvollen modernen Frauenrolle verbunden wurde. Wer heute auf die biografische Angabe blickt, muss deshalb präzise bleiben: Nicht irgendeine Mitwirkung in einem bekannten Stück war entscheidend, sondern die Maggie in einer frühen, herausgehobenen Aufführung von Tennessee Williams im deutschsprachigen Raum.
Maggie ist die „Katze“ des Stücks
Die Bedeutung dieser Rollenangabe ergibt sich aus dem Stück selbst. In Tennessee Williams’ Schauspiel in drei Akten steht Maggie nicht am Rand einer Familiengeschichte, sondern im Zentrum eines Konflikts, der private Verletzungen und materielle Interessen ineinander verschränkt. Die Handlung spielt im Haus der wohlhabenden Familie Pollitt. Big Daddy, der Patriarch, ist schwer krank, ohne dass ihm die Wahrheit offen gesagt wird. Sein Sohn Brick zieht sich in Alkohol, Schweigen und Verweigerung zurück. Maggie, seine Frau, kämpft gegen diese Erstarrung an. Sie will ihre Ehe nicht verloren geben, sie will nicht aus der Familie gedrängt werden, und sie erkennt, dass in diesem Haus Zuneigung, Erbe und Macht nicht voneinander zu trennen sind. Der Titel des Stücks verweist gerade auf sie: Maggie ist die Katze auf dem heißen Blechdach, angespannt, gefährdet, beweglich, zum Sprung gezwungen. Eine Schauspielerin, die diese Figur spielt, muss Widersprüche aushalten: Verletzlichkeit und Härte, Verführung und Verzweiflung, taktisches Kalkül und echte Angst vor dem sozialen Absturz. Krottendorfs Düsseldorfer Maggie ist deshalb für ihre Biografie plausibel als künstlerischer Durchbruch zu benennen. Sie spielte nicht eine Nebenfigur, sondern eine Rolle, die Tempo, Ton und Konfliktstruktur des Abends wesentlich bestimmt. Dass spätere Aufführungen, Filmfassungen und Theaterkritiken immer wieder die Reibung zwischen Maggie und Brick hervorhoben, bestätigt den Rang dieser Figur im Werk. Das Stück wurde durch seine Verfilmung von 1958 international noch bekannter; die Theaterrolle blieb aber eigenständig. Gerade hier liegt der Wert der historischen Angabe aus Düsseldorf: Sie hält fest, dass Krottendorf bereits vor der filmischen Popularisierung des Stoffes eine zentrale Williams-Figur auf die Bühne brachte. Der spätere öffentliche Nachruhm der Schauspielerin, etwa durch Fernsehrollen, durch ihre Ehe mit Klausjürgen Wussow oder durch ihre Zeit am Burgtheater, darf diesen frühen Theaterpunkt nicht verdecken. Die biografische Linie führt von Ebreichsdorf und Guntersdorf über Ausbildung und erste Engagements nach Düsseldorf, dann weiter nach Wien und in das deutschsprachige Fernsehpublikum. Die Gemeinde Guntersdorf erinnert bis heute an Krottendorf; zugleich verweisen kulturhistorische Datenbanken und biografische Nachschlagewerke auf jene Düsseldorfer Rolle, die ihre Bühnenkarriere sichtbar markierte. Wer die Schauspielerin nur über spätere Fernsehauftritte liest, unterschätzt den theatralen Ursprung ihres Profils. Wer sie nur als Teil einer prominenten Schauspieler:innenfamilie betrachtet, verschiebt den Blick ebenfalls. Krottendorf war vor allem eine Schauspielerin, die sich in einer der forderndsten Frauenrollen des modernen amerikanischen Dramas behauptete.





















